
Beagle-Kanal & Isla Martillo
5. März 2025, Ushuaia
Der Wecker klingelt, 6:30. Keine Wolke am Himmel, die Sonne geht auf, warme Farben, es ist kalt. Das Wetter meint es gut mit uns am Ende der Welt. Kurzes Frühstück im Hostel, medialunas (Hörnchen).
So viel Sonne haben wir nicht erwartet, Eincremen vergessen. Am Hafen versammeln sich alle Touristen, die heute Pinguine sehen wollen. Wir rasen mit dem Katamaran durch den Beagle-Kanal, links Argentinien, rechts Chile. Ein Fotograf und eine Fotografin streiten sich darum, wer die Touristen ablichten und abkassieren darf.
Erste Station: Insel mit Hunderten Kormoranen. Zweiter Stopp: Leuchtturm Faro Les Éclaireurs, Seelöwen. Delphine springen durch die Heckwellen eines anderen Boots, Seelöwen im Wasser, Sturmvögel in der Luft.
Dann in der Ferne eine Fontäne. Ein Buckelwal, Aaahhhhs und Oooohhs auf dem Schiff. Und das, obwohl gerade keine „Wal-Saison“ ist, wie die Stimme aus dem Lautsprecher vorhin erklärt hat. Viel los hier im Kanal.
Unter Deck sprudelt ein Wasserkocher ohne Pause, um die Mate trinkenden Argentinier mit Nachschub für ihre Thermosflaschen zu versorgen. Daneben steht doch tatsächlich eine richtige Siebträgermaschine, wir trinken café con leche. Man spürt, wie nah sich Argentinien und Italien sind.
Italienische Einwanderer haben Argentinien geprägt. Der Großvater von Juan zum Beispiel. Juan kommt aus der Mitte Argentiniens, besucht gerade einen Freund in Ushuaia, jobbt in unserem Hostel. Dank seines Großvaters hat er inzwischen auch die italienische Staatsbürgerschaft und einige Jahre in Italien gelebt. Dort will er wieder hin, Geld verdienen. Denn das ist in Argentinien gerade nicht so leicht. Die vergangenen Jahre waren hart, extreme Inflation. Ein Pfund Yerba Mate, vor ein paar Jahren hat es noch 350 Pesos gekostet, jetzt 5000, sagt Juan. Die Löhne sind in der gleichen Zeit deutlich geringer gestiegen.
In touristischen Orten wie Ushuaia bemerkt man die Inflation an den Schildern, auf denen Restaurantbesitzer die Preise alle paar Monate überkleben. Der café kostet für Touristen in US-Dollar umgerechnet also immer noch genauso viel – nur können ihn sich hier jetzt immer weniger Argentinier leisten.
Dritter Stopp: Isla Mortilla. Eselspinguine und Magellanpinguine wackeln durcheinander, liegen am Strand, schöpfen Wasser. Sie entspannt am Strand, wir auf dem Boot nach vorne hin dicht gedrängt, drängelnd, jeder will das beste Foto fürs Social-Media-Konto.
Rückfahrt, Blick auf Ushuaia. Müde von der Fahrt, müde von dem vielen Aufspringen und nach draußen laufen, wenn zum zweiten, dritten, vierten, zehnten Mal ein Walrücken aus dem Wasser ragt. Was hier wohl erst zur Wal-Saison los ist?